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E-Health als Medizin der Zukunft: Wie digitalisiert ist Deutschland?

Online-Formulare hier, Softwareumstellung da: Durch die Corona-Pandemie fand ein digitaler Aufschwung in vielen Bereichen des Lebens statt. Unternehmen investieren nach wie vor hohe Summen in die Digitalisierung interner sowie externer Prozesse. Auch im Sektor Gesundheit hat sich einiges getan – lange überfällig und doch erst am Anfang. In diesem Blogeintrag schauen wir uns an, wie vorangeschritten die Digitalisierung im Gesundheitswesen, auch E-Health genannt, in Deutschland ist. Zudem ordnen wir Deutschlands Digitalisierungsstand in einen internationalen Kontext ein und wagen einen Blick in die Zukunft der digitalen Gesundheit.

Das digitale Gesundheitswesen in Deutschland

Video-Sprechstunden sind uns mittlerweile vertraut und seit Beginn diesen Jahres müssen Krankenkassen ihren Patient:innen sogar eine elektronische Patientenakte (ePA) bereitstellen. Einige Grundsteine für die Digitalisierung in der Medizin sind also gelegt, doch bis zu Smart Health in Deutschland ist es noch ein weiter Weg. Dabei ist es für die meisten von uns mittlerweile selbstverständlich sich über Gesundheitsthemen im Internet zu informieren: Sei es auf Videoplattformen, in Online-Lexika und Portalen oder anhand von allgemeinen Ratgeber-Seiten.

Dennoch scheint die Digitalisierung der Medizin in Deutschland scheinbar nur schleppend voranzuschreiten. Obwohl die grobe Infrastruktur steht, nahezu jede Arztpraxis, jedes Krankenhaus, sogar jede Apotheke über einen Internetzugang und Computer oder Laptops verfügt, scheinen andere Länder vorhandene Mittel besser einzusetzen und somit E-Health Konzepte schneller voranzutreiben.

Der Digital-Health-Index:
Deutschland auf dem vorletzten Platz

Im internationalen Vergleich schneidet Deutschland schlecht ab: Platz 16 von 17 beim Ranking des Digital-Health-Index. Der Index der Bertelsmann-Stiftung vergleicht hierbei 17 Länder und deren Gesundheitssysteme anhand von drei Kriterien miteinander: Strategie, technische Readiness (Bereitschaft) und die Datennutzung in den einzelnen Ländern. Aus diesen drei Subindizes ergibt sich schlussendlich die Platzierung im internationalen Vergleich.

Warum Deutschland hier so schlecht performt ist klar, wenn wir uns die Top-3 Platzierten Estland, Kanada und Dänemark anschauen. Hier werden Rezepte bereits als sogenannte E-Rezepte eigenständig digital übermittelt, Patientendaten in digitalen Patientenakten gespeichert und Bürger:innen können Medikationspläne, Untersuchungsergebnisse sowie Impfdaten online abrufen – und dort auch entscheiden, wer Zugriff auf diese Daten hat.

Das fehlt Deutschland für ein digitales Gesundheitswesen

Auch wenn Infrastruktur und Know-how vorhanden zu sein scheinen, reicht das noch lange nicht für eine vollständige Digitalisierung im Gesundheitswesen. Allein auf technischer Ebene fehlt es an internationalen Standards, Datenschutzrichtlinien und IT-Sicherheit. Außerdem benötigt Deutschland eine Kommunikationsstrategie für digitale Gesundheitsanwendungen, die digitale Versorgung Patient:innen näher bringt. Grundstein dafür könnte ein nationales Gesundheitsportal bilden, das die digitale Gesundheitskompetenz der Bürger:innen stärkt. Außerdem fehlt es Deutschland an sektorübergreifender Vernetzung und Zusammenarbeit.

Medizin der Zukunft: Videos zur Wissensvermittlung

Erstaunlich, dass 1/3 der Bürger:innen soziale Netzwerke wie Instagram, Facebook und Co. nutzen, wenn sie gesundheitlichen Rat suchen. So verblüffend ist das allerdings doch nicht, wenn wir uns vor Augen führen, dass diese Plattformen zum größten Teil aus Videoinhalten bestehen. TikTok, neuestes Mitglied in der Familie der beliebten Social Media Plattformen, erlaubt ohnehin nur Video-Content. Kurze Erklärvideos, die schnell und einfach Informationen vermitteln, stehen auch dort an der Tagesordnung. Und wer in den sozialen Netzwerken nicht fündig wird, der nutzt Videoportale zur Informationsbeschaffung. Knapp 50 % der Patient:innen greifen bei Gesundheitsfragen auf Videos über Plattformen wie YouTube zurück. Zum Wissensaustausch im Gesundheitssektor eignet sich auch die Videoplattform coovi mit dem Unterschied, dass Videos auch in einer privaten Umgebung geteilt und nur für ausgewählte Personen sichtbar gemacht werden können.

Digitale Gesundheit 2025 - Ein Ausblick

Das Bundesministerium für Gesundheit hat in seiner Veröffentlichung Digitale Gesundheit 2025 Ziele für die nächsten Jahre gesetzt. Personalisierte Medizin ist das Stichwort, d. h. individuell auf Bedürfnisse von Patient:innen eingehen und dadurch Behandlungen sowie Therapien präziser ausrichten. Fünf Innovationsforen formulierten hierbei spezifische Handlungsempfehlungen für die Digitalisierung in der Medizin. Neben Grundsätzlichem wie der Ausdehnung der Infrastruktur, die Weiterentwicklung der elektronischen Patientenakte oder auch die digitalen Versorgungsnetze zu fördern, gilt es sich aufgeschlossen gegenüber neuen Technologien zu zeigen. So sollen beispielsweise KI-Anwendungen entwickelt und für die Auswertung von Datensätzen genutzt werden. Da es sich um einen stetigen Prozess handelt, schlagen die Experten zum Beispiel auch den Einsatz von digitalen Präventionsprogrammen vor.

Von einem digitalen Ökosystem im Gesundheitssektor ist Deutschland noch weit entfernt. Wie gut und schnell es funktionieren kann, machen allerdings andere Länder wie Dänemark und Estland vor und hängen Deutschland ab. Die Startpunkte und der Zeitrahmen sind gesteckt, an einer Roadmap zur Entwicklung und Umsetzung von E-Health Lösungen wird derzeit gearbeitet. Bleibt abzuwarten, wann und wie welche Maßnahmen durchgeführt werden. Eins ist allerdings gewiss: Es führt kein Weg an einer Digitalisierung des Gesundheitswesens in Deutschland vorbei.

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